Über das Dynamische

Aktualisiert: 15. Nov 2020




In der letzten Blackboard Conference haben wir uns mit der Frage des Dynamischen beschäftigt, mit dem Dynamischen im Film und dem dynamischen oder nicht dynamischen Wesen der Dinge. 

Der Geist der Dinge

Jeder, der Dinge besitzt, und das sind freilich alle, wissen, dass Dinge oft genug auch „sprechen“, das sie Fragen stellen, und - obwohl sie vorgeben, das Leben schöner zu machen oder wichtig zu sein -  gerät gerade dieser Nutzen oft in den Hintergrund und wird dann im Lauf der Zeit ganz vergessen. 

Damit „das Ding“ aber dennoch bleiben kann, wird jene Seele, jener Geist der Dinge beschworen, der den Nutzen überwindet. Und so passiert es, dass diese „heilige Ansammlung“ von Dingen eben zu „sprechen“ beginnt, sich „untereinander darüber austauscht“, warum man denn eigentlich gekauft wurde, warum man da oder dort herumsteht, oder liegt, und was denn weiter passieren soll. Je mehr Dinge, desto mehr Fragen. Und bis dahin lungern sie herum, diese „beseelten“ Dinge. Und an ihnen vollzieht sich dann etwas, das man ja eigentlich auch nicht seinen besten Feinden wünscht, nämlich dass sie am Ende obdachlos werden, dass sie verwaisen und schließlich irgendwo „herumlungern“.


Das Private als Luxus

Das eigene Zuhause als wichtiger, die Persönlichkeit reflektierender Rückzugsort ist ein Luxusgut, der seine Bedeutung erst in der jüngeren Geschichte erfahren hat und der jetzt wieder unter stärkerer Beobachtung steht.

In der Vormoderne der bäuerlichen Gesellschaft wohnte meist die ganze Familie gemeinsam, oft auch in einem Raum mit den Knechten und Mägden. Das Leben spielte sich dort ab, und zwar oft genug auch „gleichzeitig“. In diesem frühen „Biotop“ war alles stets auf den Nutzen ausgelegt, es wurde gemeinsam gearbeitet, gekocht und gegessen, aber für den Rückzug, für das sogenannt „Private“ gab es weder Zeit noch Ort. Auch im 20. Jahrhundert (siehe „Alpensaga“) zeigten sich in Tirol noch eher bäuerliche Zustände, die den eigenen Raum als Ausnahme erscheinen ließen.  

Und auch die Dinge waren damals meist noch profan, das heißt, sie brauchten keine Seele, sondern nur Leben, indem man sie gebrauchte, wodurch sich Sinn und Zweck erfüllte. 

Es ist also gar nicht so lange her, und hat einen langen Weg quasi von der französischen Revolution bis heute benötigt, damit sich das Private, das eben vordem so nicht existierte, auch räumlich ausbreiten konnte. Schließlich wurde es zum sogenannten „Allerheiligsten“, zum eigentlichen Rückzugsort, den man mit schönen, aber oft auch nutzlosen Dingen füllt. Aber nun wird dieser erneut durch die aktuelle Situation bedroht. 

Von bisher 5% sind mittlerweile 40% der Österreicher im Homeoffice und es scheint, dass es auch dabeibleiben wird, auch nach der Krise. Freilich schon früher hatte der Arzt seine Praxis neben der Wohnung, der Handwerker seine Werkstatt im selben Haus und der Künstler sein Atelier neben oder im Wohnbereich. 

Indem sich nun die Arbeit „ins Innere“ zurückzieht, erfordert sie Organisation, und vor allem wieder mehr Platz und macht damit auch die klare Trennung zwischen Arbeitsplatz und Wohnraum obsolet. Und für den, der zum Beispiel auf 40qm lebt, kommt die Vielfalt der Dinge, die auch und gerade in unserer Konsumwelt so hoch angepriesen wird, ungelegen. Denn die Dinge sind „im Weg“ und werden in unzähligen Minimalismus-Ratgebern hinterfragt. Es scheint, als müsse man sie wieder loswerden, um Platz für Neues, für Freiräume zu schaffen, die raus aus der Enge der Dinglichkeit führen. 

performing the conference

Das Dynamische im Film

Der Film hat ursprünglich seine Wurzeln in der Attraktion, im Zirkus bzw. bei den Schaustellern, also in der Unterhaltung der Massen, sei es nun durch exotische Tiere oder durch bewegte Bilder. Das ist abzulesen in den heutigen Blockbustern, die obwohl sie gerade nichts produzieren, vor allem Einnahmen generieren müssen.

 Bereits der russische Filmemacher und -theoretiker Sergej Einstein hat den Film als Medium politischer Auseinandersetzung genutzt, was er auch in seiner „Montage der Attraktionen“ beschreibt. Diese Art von Film wusste gerade deshalb zu faszinieren, weil er Ästhetik und politische Teilnahme zu verbinden versuchte. (siehe „Panzerkreuzer Potemkin“). 

Auch das Kunstvideo, in der Fortsetzung des Experimentalfilms, ist meist komplett durchdacht und durchinszeniert und muss für die Öffentlichkeit wahrnehmbar gemacht werden. Gleichzeitig unterliegt es den Regeln des Kunstmarktes – was es in der Form fixiert, auch, um zum Beispiel im Museum als Installation seinen Platz zu bekommen. 

Auch dann, wenn es wie Bill Violas Video „Raft“ wie ein Standbild wirkt, das sich extrem langsam bewegt, wie ein langsam bewegendes Gemälde. 

Dass Film mit Materialien anderer arbeiten kann, zeigt das Beispiel „Sans Soleil“ von Chris Marker. 

Es ist ein Film, der mehrere Genres enthält, der sowohl Dokumentar-, Essay-, als auch Kunstfilm ist, und der als Film den Film selbst zitiert. Chris Marker nützt dabei Film sowohl als Erinnerungsmechanismus wie auch als visuelles Fragment, dessen Elemente auftauchen, aber auch wieder zerfallen. In den langen Jahren, in denen der Film auch international zum Klassiker wurde, hat sich die Rezeptionssituation derart verändert, dass der Film selbst derzeit hauptsächlich in fragmentarischen Elementen wahrgenommen werden kann. So wie er also möglicherweise entstanden ist, fällt er nun wieder auseinander.

Der dynamische Film

All diese filmischen Genres zeigen auf, das 10001fern.sehen diesen Regeln nicht unterliegt. Es ist natürlich auch eine Bewegung, aber nicht nur die Aufnahmen bewegen sich, sondern der Film an sich. Der dynamische Film als solcher ist in einem stetigen Prozess, etwa wie es die Idee des Fluxus definiert, also in einer sich immer weiter dynamisierenden Bewegung, die nicht mehr still zu stehen scheint, und daher immer weiter „fließt. 

Der dynamische Film bezeichnet hier also ein Filmstück, das weder der Idee der Attraktion, also der allgemeinen Schaulust folgt, noch zwingend für den Anderen gedacht ist. Es ist mehr wie eine lange, schöne Bahnfahrt, die den Blick aus dem Fenster freigibt, wo mal mehr oder auch streckenweise weniger zu sehen ist, aber dennoch einen sich stets verändernden Blick bietet. 

Das prozessuale Filmmachen (visual research) ist eine Auseinandersetzung mit dem Material, mit einem Thema, das unter anderem beim Drehen selbst entsteht, und dass sich wie jedes visuelle Recherchieren im Grunde nicht begrenzen lässt. Das filmische Festhalten einer dynamischen Szene findet seine Entsprechung im dynamischen Film, in der performativen Kamera, die sich so stets in einem Prozess befindet, der nicht zu einem einzelnen Resultat führt, das 1:1 wiedergegeben werden kann. 

Denn so wie 10001fern.sehen im Moment entsteht, wird es gleichzeitig zu einem Ereignis, taucht plötzlich und dynamisch auf, und verschwindet wieder, indem es nur Stille hinterlässt.Ich bin ein Blogbeitrag. Mit Bildern können Sie Ihre Blogbeiträge visuell ansprechend gestalten. Auch interessante und witzige Videos sind ein tolles Hilfsmittel, um Besucher auf Ihrer Website zu halten. Sie wollen Ihren Beitrag mit einer Galerie aufpeppen? Es war nie einfacher, Ihren Inhalt individuell anzupassen und Ihre Leser zu begeistern.


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